Was ist Verhaltenstherapie?

Die wissenschaftlich anerkannte Methode der Verhaltenstherapie hat einen lerntheoretischen Hintergrund. Um ein problematisches Verhalten oder störungsspezifische Symptome besser zu verstehen werden Situationen genau beobachtet, beschrieben und auf verschiedenen Ebenen analysiert. Hierbei wird ein besonderer Fokus auf aktuelle ungünstige Verhaltensmuster gelegt; ein Blick zurück in die individuelle Lebensgeschichte ist dabei dennoch unerlässlich, denn das Erlebte und Erlernte nimmt auch in der Gegenwart einen starken Einfluss auf gegenwärtige Erlebens- und Verhaltensmuster. Lebensgeschichte heißt also auch Lerngeschichte. Die Veränderung eines problematischen Verhaltens orientiert sich in der Verhaltenstherapie an auslösenden und in der Gegenwart aufrechterhaltenden Faktoren. Zur Veränderung eines unerwünschten Verhaltens bzw. Erlebens wird u.a. das individuelle Informationsverarbeitungssystem überprüft; „was nehme ich wie wahr und warum“. Hier geht es um Bewertungsprozesse, Einstellungen und das Selbstkonzept.  

Eine günstige Voraussetzung für eine Psychotherapie ist das Interesse mehr über sich zu erfahren, Offenheit für Veränderungen und die Motivation mitzuarbeiten.

Welche Methoden werden angewandt?

Die vorgestellten Methoden stellen nicht die Ganzheit des methodischen Repertoires der Verhaltenstherapie dar, sondern vielmehr einen Auszug aus häufig angewandten Behandlungsmethoden, die je nach Störungsbild ihre Anwendung finden. Die vollständige Auflistung aller therapeutischen Methoden würde den Rahmen des Internetauftritts überschreiten.

Verhaltens- und Situationsanalysen

Situationen und Verhaltensweisen, bei denen ein unerwünschtes Verhalten auftritt, werden genau analysiert hinsichtlich Auslöser, interner psychologischer und physiologischer Reaktionen und Auswirkungen auf das sichtbare Verhalten. Auch die kurz- und langfristigen Konsequenzen werden genau betrachtet.

Psychoedukation

Es wird ein individuelles Erklärungsmodell des Störungsbildes sowie präventive Früherkennung von Symptomen gemeinsam erarbeitet.

Entspannungstraining

z.B. Progressive Muskelentspannung nach Jacobson, Achtsamkeitsübungen, Imaginationsverfahren, autogenes Training.

Angstbewältigungstraining

Es wird eine Hierarchie von angstauslösenden Situationen erstellt und durch erworbene Entspannungstechniken wird Angst aktiv bewältigt.

Exposition, Reizkonfrontation und Reaktionsverhinderung

Konkrete angstauslösende Situationen werden mit der Therapeutin bzw. dem Therapeuten nach gründlicher Vorbereitung aktiv aufgesucht, auch außerhalb der Therapieräume. Hier wird die Erfahrung ermöglicht, dass die Angst ertragbar ist und die befürchteten unangenehmen Konsequenzen ausbleiben. Die Konfrontationstherapie ist erwiesenermaßen äußerst effektiv bei Phobien und Zwängen.

Kognitive Therapie / Rational-Emotive Therapie

Denk- und Erwartungsmuster werden herausgearbeitet analysiert und auf ihre Funktionalität betrachtet. Hierbei spielen individuelle Wahrnehmungs- und Verarbeitungsprozesse eine wichtige Rolle. Individuelle Muster werden hinterfragt und können durch günstigere Alternativen in den Bereichen Denken, Fühlen und Handeln ersetzt werden (kognitive Umstrukturierung)  

Selbstsicherheitstraining und Rollenspiele  

Im Mittelpunkt stehen verbale, motorische und mimisch-gestische Fähigkeiten im sozialen Kontext, die durch ein Kompetenztraining gefördert werden. Diese Methode findet häufig Anwendung bei sozialen Ängsten.

Problemlösungstraining

Probleme werden definiert, strukturiert und analysiert. Es werden eine Reihe effektiver Handlungsmöglichkeiten für die problematische Situation erarbeitet, Entscheidungsstrategien gefördert und die Wirksamkeit überprüft. Die gelernten Strategien werden auf neuartige Situationen angewandt.